Häufig gestellte Fragen

Ist die Schriftneigung vorgeschrieben?

Die Kinder beginnen wie bis anhin mit senkrechter Blattlage und in der Folge einer aufrechten Schrift.

Sobald im Verlauf der zweiten Klasse die Buchstabenformen und -abläufe gefestigt sind und längere Texte geschrieben werden, ist aus ergonomischer Sicht für rechtshändige Kinder zu empfehlen, das Blatt mit Neigung nach rechts oben auf das Pult zu legen, so dass das Handgelenk nicht nach hinten gebeugt werden muss und der Unterarm besser gleiten kann.

Diese Blattneigung führt automatisch zu einer scheinbar rechtsgeneigten Schrift, wenn die Abstriche weiterhin zur Körpermitte gezogen werden, die Produktion erfolgt aber nach wie vor aufrecht!

Es gibt einige Kinder, die mit dieser Technik nicht zurechtkommen und lieber im gewohnten Stil weiterarbeiten. Daraus lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

Der Neigungswinkel der Schrift ist nicht festgeschrieben. Die rechtshändigen Kinder sollen eine Einführung in die Technik der geneigten Blattlage bekommen. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass es sich bei der Kursivschrift um eine Schrift mit senkrechten Strichen zur Körpermitte handelt, die aufgrund der Blattlage „bergauf“ geschrieben wird. Ein möglicher Aufbau wird von Schläpfer (2003, S. 34/35) vorgestellt. Auf den Einsatz von Lineaturen mit zusätzlichen schrägen Richtungsstrichen soll unbedingt verzichtet werden. Sie werden allzu oft als visuelle Vorgabe missverstanden, bremsen den Schreibfluss und führen zu unnatürlichen Proportionen der Verbindungen (zu eng bzw. zu breit). Zudem verhindern sie die Automation der Verbindungen, weil das Kind dann in der Regel zu vorsichtig die Verbindungen malt, um sie an der nächsten Vertikale „anzukleben“. Abstriche und Verbindungen dazwischen sollen jedoch primär über die taktil-kinästhetische Wahrnehmung gespeichert werden.

Für Linkshänder gibt es in der Fachliteratur viele geeignete Hinweise, so z.B. die von Sattler (2002) entwickelte Schreibtechnik. Auch diese Technik ist nicht zwangsläufig für alle Kinder ideal. Linkshändige Kinder benötigen unter Umständen länger, bis sie eine einheitliche Schriftneigung entwickelt haben; diese kann auch durchaus linksgeneigt sein.

Quellen:
Sattler, JB (2002): Linkshändige und umgeschulte linkshändige Kinder sowie Kinder mit wechselndem Handgebrauch in der Ergotherapie. Ergotherapie und Rehabilitation 2002; 41 (5), S. 21-29.
Schläpfer, M. (2003): Von der Basisschrift zur persönlichen Handschrift. Buchs/Aarau: Kantonaler Lehrmittelverlag.
Und wenn ein Kind gar keine Verbindungen macht?

Es kommt häufig vor, dass Kinder zunächst mit den vorgeschlagenen Verbindungen wenig anfangen können und sie nicht ausführen, wenn sie nicht explizit verlangt werden.

Gelegentliche Luftsprünge anstelle von Verbindungen, vor allem bei langen Wörtern, dienen der Entspannung und wirken sich günstig auf Tempo und Lockerheit aus.

Die Untersuchungsergebnisse der Luzerner Studie sprechen jedoch gegen eine völlig unverbundene Schrift: Je mehr der empfohlenen Verbindungen die Kinder machten, desto schneller (in Bezug auf die Frequenz) und lockerer konnten sie schreiben. (Hurschler et al., 2010)

Es erscheint also sinnvoll, einfache Verbindungen (in Girlandenform) zu üben, die zu kurzen Einheiten von 2-3 Buchstaben hintereinander zusammengefasst werden. Wesentlich ist dabei vermutlich weniger die vollständige Ausführung auf dem Papier, sondern das Erfassen dynamischer Abläufe, das Entwickeln eines Gefühls für den Schreibrhythmus.

Aus diesem Grund wurde für diesen Lehrgang eine Aufbaureihe der grundlegenden Girlandenverbindungen entwickelt. Es ist davon auszugehen, dass Kinder unterschiedlich lang benötigen, bis sie diese Verbindungen automatisiert haben, und dass ein geringer Teil trotz Übung zu einer anderen Lösung findet. Sollten nachteilige Folgen für Geläufigkeit, Leserlichkeit und körperliche Befindlichkeit (Schmerzen?) zu befürchten sein, kann eine Beratung durch eine Psychomotoriktherapeutin helfen.

Diese Ausführungen gelten primär für rechtshändige Kinder. Bei linkshändigen Kindern ist nicht sicher, ob eine rhythmisch-verbundene Stossbewegung tatsächlich schneller ist als wenn abgesetzt wird. Hier gilt es, das linkshändige Kind falls nötig noch intensiver in der Entwicklung seiner Schreibtechnik zu begleiten, bis es seine individuelle Lösung für eine geläufige und leserliche Schrift gefunden hat.

Müsste man am PC nicht auch mit Basisschrift schreiben?

Oft wird argumentiert, dass Kinder mit den gleichen Schrifttypen lesen und schreiben lernen sollten; Lesen und Schreiben würden sich gegenseitig stützen. Dem widerspricht die Feststellung, dass Kinder verschieden typografisch gestaltete Schriften schon aus der vor- und ausserschulischen Zeit kennen. Sie begegnen solchen Schriften täglich. Handschriften sind von Hand geschriebene Schriften, die durch die physische und psychische Verfassung des oder der Schreibenden gestaltet werden. Kein von Hand geschriebenes Zeichen sieht demnach einem andern von Hand geschriebenen Zeichen völlig gleich. Bei der gedruckten Schrift ist dies anders. Druckschriften sind sachlich ausgestaltete Schriften mit einem hohen Grad an Lesbarkeit.

Beim Lesenlernen ist eine sorgfältig ausgestaltete Druckschrift aus lesetechnischen wie auch psychologischen Gründen jeder Schreibschrift überlegen. So eignen sich für den Anfangsunterricht vor allem Schriften ohne Serifen wie z. B. Century Gothic, Arial, Microsoft Sans Serif oder vor allem auch Comic Sans MS. In der dritten Klasse können die Lese-Anfangsschriften auch durch solche mit Serifen ergänzt werden, z. B. Times New Roman. Es ist also nicht nötig, die so genannten „PC-Handschriften“ (Steinschrift, Basisschrift, Schweizer Schulschrift) auf vorgefertigten Arbeitsblättern zu verwenden.

Welche Lineaturen werden empfohlen?

Lineaturen helfen und hemmen: Sie hemmen im Anfangsunterricht beim Erfassen der Buchstabenform und beim Automatisieren der Schreibbewegung. Lineaturen helfen jedoch beim Klären der Höhenverhältnisse und können Lernende unterstützen, die auf optische Orientierungshilfen angewiesen sind. Lineaturen ermöglichen waagrechte Schriftzeilen und verhelfen zu einer lesbaren Schrift. Sie vermindern aber oft die Schreibgeschwindigkeit und damit den Schreibfluss und können den Automationsprozess stören.

Grundformen sollen die Lernenden zuerst immer auf unliniertem Papier gross durchführen. Gerade auch Schreibanfänger/innen beobachten die Grössenverhältnisse besser, wenn sie Buchstabenformen auf unliniertem Papier üben. Um die Schreibrichtung und ein Orientieren im vorgegebenen, begrenzten  Raum zu üben, eignen sich so genannte Bänder („Strassen“, „Flüsse“) sehr gut.

Erst wenn eine gewisse Form- und Bewegungssicherheit erlangt ist, macht es Sinn, für das Schreiben von Buchstaben Lineaturen zu benutzen. Bei der Wahl der Lineaturgrösse soll beachtet werden, dass individuelle Unterschiede und Vorlieben eine Rolle spielen dürfen. Die Lernenden sollen, speziell ab 2./3. Klasse, deshalb auch Lineaturen (auf losen Blättern) ausprobieren können.

Aus der Diskussion mit den Lehrpersonen hat sich der Vorschlag für die folgenden Lineaturen ergeben. (Hefte mit der vorgeschlagenen Lineatur können u. a. beim Lehrmittelverlag Luzern bezogen werden.)

1. Klasse

Für einzelne Kinder mit Schwierigkeiten bei kleinen Buchstabenformen eignet sich u. U. die grosse 9-mm-Lineatur. Bei Schwierigkeiten ist es jedoch oft besser, auf eine Lineatur zu verzichten oder nur eine Linie vorzugeben. Die meisten Kinder finden sich mit der Zeit in der 6-mm-Lineatur gut zurecht (vgl. unten).

Lineatur 9 mm: 3 Gassen zu je 9 mm mit fetter Grundlinie und ausgefülltem Abstand zu 2 mm
Farbe: blau

 

1./2./3. Klasse

3 Gassen zu je 6 mm mit fetter Grundlinie und ausgefülltem Abstand zu 2 mm
Farbe: blau

 

3./4./5. Klasse

2 Gassen: 1 Gasse mit 10 mm, 1 Gasse mit 5 mm und ausgefülltem Abstand zu 2 mm
Farbe: blau

 

Was ist zu tun, wenn Kinder den Stift nicht korrekt halten?

Eine gute Stifthaltung zeichnet sich dadurch aus, dass sie eine optimale Beweglichkeit der Finger zulässt.

"In der Luzerner Studie hat sich gezeigt, dass Kinder mit idealer Stifthaltung im Dreipunktegriff nicht per se schon leserlicher und geläufiger schreiben. Kinder, die eine eigene, andere Lösung entwickelt haben, können dies ebenso gut." (Hurschler et al., 2010)

Es sind also mehrere Varianten (s.CD) möglich. Wichtig ist dabei, dass die Fingergelenke möglichst nicht blockiert werden. Das Ausprobieren einer ganz anderen Variante (vgl. „Pfötchengriff“) kann manchmal besser sein, als vom Kind minimale Haltungskorrekturen zu verlangen, die bei Verlagerung der Aufmerksamkeit sofort wieder verloren gehen. Dicke Stifte (mit oder ohne dreieckigem Querschnitt) führen häufig schon zu einer Verbesserung. Griffhilfen (siehe Materialliste), spezielle Stifte für Schreibanfänger und -anfängerinnen oder auch nur ein um den Stift gewickeltes Gummiband helfen, die neue Haltung bewusst einzunehmen. Übungen, die ein wechselndes Arbeiten mit zwei Stiften erfordern, unterstützen die Entspannung zwischendurch und fördern die Angewöhnung der günstigen Haltung.

Bei sehr jungen Kindern ist es manchmal sinnvoller, zunächst mit Plastilin u.ä. auf eine Kräftigung der Fingermuskulatur hinzuarbeiten, da das ganze Handskelett noch viel weniger gefestigt ist und die Gelenke dementsprechend leichter überdehnbar sind.

Wie unterstütze ich Kinder, die mit zu viel Druck schreiben?

Eine noch nicht vollständig beherrschte Bewegung führt zu Beginn häufig zu erhöhter Muskelanspannung (Tonus) verbunden mit zuviel Schreibdruck (Krafteinsatz). Bei Schreibanfängern und -anfängerinnen ist dies der normale Ausdruck der investierten Energie sowie der emotionalen wie geistigen Hingabe.

Wenn wir von „Druck“ sprechen, ist klar zu unterscheiden: Es gibt sowohl Kinder mit Verspannungstendenz in Schultergürtel, Schreibarm und Fingern als auch Kinder mit relativ lockerer Muskulatur, die mit sehr viel Kraft mit dem Stift auf das Papier drücken. Beides ist für eine geläufige, schmerzfreie Schrift längerfristig nicht günstig.

Eine gute Schulung mit vielen Entlastungspausen, weichen Stiften und nicht zu hohen Anforderungen hinsichtlich Präzision verbessert die Fähigkeiten und entlastet von Druck. Auch zu langes Schreiben in sitzender Position verstärkt Verspannungen. Es ist deshalb wichtig, den Kindern immer wieder Lockerungsübungen zu zeigen, welche sie selber durchführen können, wenn sie sich verspannt fühlen.

Bei manchen Kindern hat sich dann aber die Körperspannung schon so etabliert, dass es ihnen schwer fällt, loszulassen. Körperübungen zur willentlichen Veränderung der Körperspannungen können klären helfen. Spannungsauf- und -abbau gelingen in der Regel besser mit Widerstand, d.h. wenn sich zuerst der Druck gegen ein Material, den Boden oder einen Lernpartner aufbauen kann.

Merke: es ist viel leichter, bewusst anzuspannen als loszulassen. Auch fällt es leichter, nach einer Anspannung die Muskulatur zu entspannen (Beispiel: Kind „bläst“ ein Körperteil willentlich auf, die Lernpartnerin rät, welches, und kann dann mit der Fingerspitze antippen und die Luft wieder herauslassen.)

Richtig eingeführt, können Girlandenverbindungen Druck entlastend sein, weil sie anstelle einer auf der Grundlinie endenden Beugebewegung eine elastische Beuge – Streckbewegung erfordern.

"Die Kinder derjenigen Lehrpersonen, die die Verbindungen intensiv übten, haben auch deutlich lockerer und schneller geschrieben." (Hurschler et al., 2010)

Weiter kann die Entlastung, dass mit der Basisschrift nicht mehr alles verbunden geschrieben werden muss (d.h. dass die Hand häufiger und bequemer nachrutschen kann), bei einigen Kindern zu spürbar weniger Schreibdruck führen.

Als vorübergehende Hilfestellung um mit weniger Druck zu schreiben – aber erst wenn Kinder über die Grundkompetenzen verfügen – hilft eine speziell weiche Unterlage (Moosgummi, Schaumstoff, Vlies, Filzmatte). (Weitere Übungsformen siehe Broschüre)

Druck kann auch körperliche Ursachen haben (zum Beispiel die Kompensation eines angeborenen Zitterns) oder Ausdruck einer gesamthaft belastenden Situation sein. Wenn ein Kind trotz Körperübungen immer noch sehr verspannt wirkt und seinen Schreibdruck nicht regulieren kann, sollte der Kontakt mit einer Psychomotoriktherapeutin gesucht werden.

Warum gibt es keinen teilverbundenen elektronischen Schriftsatz?

Die Schriftsätze der Deutschschweizer Basisschrift enthalten nur unverbundene Schriftzeichen. Es existieren keine teilverbundenen Vorlagen der Schrift. Das Konzept der Basisschrift zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sich die Schülerinnen und Schüler nach Erlernen der einzelnen Buchstaben die Verbindungen individuell erarbeiten. Eine digitalisierte Vorlage der teilverbundenen Schrift würde dem Konzept der Basisschrift widersprechen. Auch eine „Übergangsversion“ der Basisschrift mit zwar noch unverbundenen, aber schräg gelegten Buchstaben (ev. mit Buchstabenausgängen) empfiehlt sich nicht. Die kursive Schrift entsteht aus der schräg gelegten Blattlage. Eine schräg gelegte Schriftvorlage würde die Kinder dazu verleiten, ihr Handgelenk abzuknicken, was weder ergonomisch noch im Sinne einer flüssigen Handschrift ist.

Buchstaben und Wörter, welche als Vorlage dem Erwerb der Handschrift dienen, sollen aus lernpsychologischen Gründen möglichst direkt von der Lehrperson vorgeschrieben werden. Es ist wichtig, dass die LP den Kindern häufig die Abläufe in «Echtzeit» vorschreiben. Dies ist nicht durchgehend möglich, sondern muss bewusst im individuellen Austausch mit dem Kind und in geeigneten Phasen des Unterrichts (z.B. während der Werkstattarbeit) eingeplant werden.

Eignet sich die Basisschrift als Textschrift in Produkten der Schule?

Schon der Gestalter des ersten Basisschrift-Vorschlags, der Typograf Hans Eduard Meier, wies darauf hin, dass man die Basisschrift keinesfalls als Textschrift brauchen soll. Eine Textschrift muss den Lesefluss unterstützen und sollte deshalb beim Lesen nicht auffallen, weder positiv noch negativ: Entsprechend wirkt ein Text, der mit einer Textschrift gestaltet wurde, ruhig und regelmässig (Cornelius, 2017).
Tipp: Sie können ein und denselben Text mit verschiedenen Schriften tippen und prüfen, welche Variante ruhiger und leserlicher wirkt.
Kinder in der Primarschule können problemlos verschiedene Schriften lesen und sollen dies auch von Anfang an tun (damit die Literacy-Erfahrung z.B. beim Lesen von Verpackungen auch unterstützt wird). Das heisst, zur Erstellung von Lesetexten oder anderen Arbeitsblättern kann problemlos eine serifenlose Schrift wie Arial oder Calibri verwendet werden.
Die Basisschrift wurde vom Büro Reflector lediglich auf Wunsch der Lehrpersonen vektorisiert, damit man für Kinder im Einschulungsalter einzelne Gegenstände (z.B. Namenszüge auf Spielen wie Memory) beschriften kann. Dies ist in dieser Ausschliesslichkeit nur an Sonderschulen, wo Kinder auf identische Vorgaben angewiesen sind, zu empfehlen.
Kurz: Die Deutschschweizer Basisschrift ist bewusst keine Textschrift. Es gibt daher auch keine fette oder kursive Version der Schrift. Das Konzept der Deutschschweizer Basisschrift setzt bewusst auf handschriftliche Vorlagen von Lehrpersonen. 

Quellen:
  • Jurt Betschart, Josy, Hurschler Lichtsteiner, Sibylle & Henseler Lüthi, Lydia (2011): Unterwegs zur persönlichen Handschrift. Lernprozesse gestalten mit der Luzerner Basisschrift. Broschüre Grundlagen, S. 20ff. Luzern: Kantonaler Lehrmittelverlag.
  • Cornelius, A. M. (2017). Buchstaben im Kopf: Was Kreative über das Lesen wissen sollten, um Leselust zu gestalten (Erste Auflage). Verlag Hermann Schmidt.